Bohrpfahl oder Schraubpfahl – welche Gründung passt zu Ihrem Projekt?
Bohrpfähle, Rammpfähle und Schraubpfähle sind drei verschiedene Pfahlgründungsverfahren. Der Unterschied liegt in der Installationsmethode, den Kosten und der Umweltbilanz.
Bohrpfahl, Rammpfahl und Schraubpfahl
Alle drei Verfahren dienen der Tiefgründung, unterscheiden sich aber grundlegend in Installationsmethode, Materialverbrauch und Baustellenauswirkungen. Hier ein Überblick.
Bohrpfahl (CFA-Pfahl)
Ein Bohrpfahl wird hergestellt, indem eine Endlosschnecke in den Boden gebohrt und beim Ziehen der Schnecke Beton durch den hohlen Kern gepumpt wird. Anschließend wird ein Bewehrungskorb eingesetzt. Das Verfahren erfordert schweres Bohrgerät, Betonpumpe und Betonlieferungen. Die Tragfähigkeit steht erst nach der Betonaushärtung zur Verfügung (7–28 Tage).
Rammpfahl
Ein Rammpfahl – aus Stahl, Beton oder Holz – wird durch wiederholte Schläge eines Fallhammers oder hydraulischen Ramms in den Boden getrieben. Das Verfahren ist schnell, erzeugt aber erheblichen Lärm und starke Bodenvibrationen. In der Nähe bestehender Bauwerke oder in Wohngebieten kann das zu Schäden und Beschwerden führen.
Schraubpfahl (Helixpfahl)
Ein Schraubpfahl wird mit einem Drehantrieb in den Boden geschraubt. Die Wendelflügel schneiden sich wie eine Schraube durch den Boden und erzeugen die Tragfähigkeit durch Druck auf die Bodenschichten. Kein Beton, kein Aushub, keine Aushärtezeit. Die Tragfähigkeit wird in Echtzeit über das Drehmoment verifiziert und steht sofort zur Verfügung.
Bohrpfahl: CFA-Pfahl, Continuous Flight Auger, Bohrpfahlgründung, Ortbetonpfahl
Rammpfahl: Rammgründung, geschlagener Pfahl, Fertigteilpfahl, Stahlrammpfahl
Schraubpfahl: Helixpfahl, Schraubfundament, Schraubpfahlgründung, Helikal-Pfahl
Schraubpfahl vs Bohrpfahl vs Rammpfahl
Zehn Faktoren, die bei der Wahl des Gründungsverfahrens entscheidend sind. Die Tabelle zeigt, wo jedes Verfahren seine Stärken und Schwächen hat.
| Faktor | Schraubpfahl | Bohrpfahl | Rammpfahl |
|---|---|---|---|
| Installationsmethode | In den Boden gedreht – ein einziger Arbeitsschritt | Bohren, Betonieren, Bewehrungskorb – mehrere Schritte | Durch Schläge in den Boden getrieben |
| Geschwindigkeit | Stunden bis Tage, sofort belastbar | Tage bis Wochen (inkl. 7–28 Tage Aushärtung) | Schnell, aber Mobilisierung schwerer Geräte |
| Betonbedarf | Keiner | Hoch – jeder Pfahl wird vor Ort betoniert | Keiner (Stahlpfähle) oder hoch (Betonfertigteile) |
| Aushärtezeit | Keine – sofort belastbar | 7–28 Tage für volle Betonfestigkeit | Keine (Stahlpfähle) |
| Tragfähigkeit | 10 bis über 1.000 kN, Echtzeit-Drehmomentprüfung | Sehr hoch (bis 3.000+ kN), Lasttest nach Aushärtung | Hoch, abhängig von Pfahltyp und Boden |
| Bodenarten | Sand, Ton, Schluff, Torf, gemischte Böden | Alle Böden inkl. Fels, aber aufwändig in weichen Böden | Am besten in granularen Böden, problematisch bei Hindernissen |
| Umweltauswirkung | 78 % weniger CO₂, kein Beton, kein Aushub, 100 % recycelbar | Hoher CO₂-Fußabdruck durch Beton, Bohrabfall, nicht entfernbar | Lärm, Vibration, Bodenverdrängung |
| Entfernbarkeit | Vollständig entfernbar und wiederverwendbar | Permanent – nicht extrahierbar | Nur mit großem Aufwand extrahierbar |
| Lärm & Vibration | Minimal – sicher neben Gebäuden und in Wohngebieten | Mäßig – Bohrgerät und LKW-Verkehr | Erheblich – Schlaglärm und starke Bodenvibrationen |
| Kosten | Bis zu 50 % geringere Gesamtkosten (kein Aushub, kein Beton, weniger Arbeitsphasen) | Hoch – Geräte, Beton, Bewehrung, Logistik, lange Bauzeit | Mittel bis hoch – abhängig von Gerätemobilisierung |
Wann welches Verfahren?
Die richtige Wahl hängt von Lastanforderungen, Bodenverhältnissen, Zeitplan, Umweltauflagen und Budget ab. Hier eine Orientierung.
Schraubpfahl wählen, wenn…
- Geschwindigkeit entscheidend ist (Tage statt Wochen)
- Kein Beton erwünscht oder erlaubt
- Minimaler Lärm gefordert (Wohngebiet, Naturschutz)
- Demontierbarkeit gefragt (temporäre Bauten, Solarparks)
- Gesamtkosten minimiert werden sollen
- Schwierige Böden (Torf, Ton, Hanglagen)
Bohrpfahl wählen, wenn…
- Extremlasten über 1.500 kN pro Pfahl
- Gründung im Fels erforderlich
- Sehr große Pfahldurchmesser benötigt werden
- Das Projekt Betonpfähle ausdrücklich vorschreibt
- Tiefe über 30 m in hartem Untergrund
Rammpfahl wählen, wenn…
- Große Pfahlmengen in kurzem Zeitraum
- Granularer Boden ohne Hindernisse
- Lärm und Vibration kein Problem (Industriegebiet)
- Standardisierte Fertigteile bevorzugt
- Hohe Lasten in geeignetem Boden
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